Ratenkredite – Die clevere Möglichkeit zum Rückwärtssparen?

Der Kredit ist kostenlos, doch der Teufel steckt im Detail

„Wenn ich einen Kredit für 0% bekomme und auf dem Tagesgeld 2% Guthabenzins erhalte, mache ich mit einem Ratenkauf nichts falsch“ – dieser Ansatz klingt logisch, kann aber zu einem Stolperstein werden.

Der Kredit ist kostenlos – kann man also nichts falsch mit machen

Zunächst fragt man sich, warum Kredite quasi verschenkt werden.

Dahinter stecken verschiedene Gründe: Zum einen kooperieren Händler, zum Beispiel aus den Bereichen Elektronik, Möbel oder Gebrauchtwagen, oftmals mit Banken, die für diese Zwecke spezielle Kredite anbieten. Diese sogenannte Absatzfinanzierung steigert die Verkäufe, da viele Verbraucher für höherpreisige Güter das Geld oft nicht auf dem Konto haben. Und wenn es „nichts kostet“ darf es auch etwas teurer sein. Die Bank verschenkt dabei aber in der Regel nichts. Im Hintergrund werden Zinsen durch den Händler übernommen, die deren Gewinn schmälern. Wenn man auch bar bezahlen kann, lohnt somit oftmals die Frage nach einem Barzahlerrabatt.

Was haben aber die Banken von diesen Finanzierungen? Die Banken setzen bei diesen Absatzfinanzierungen, neben den Zinsen, die der Händler zahlt, auf zwei Felder. Zunächst ist in diesen Krediten oftmals eine Restschuldversicherung enthalten. Diese kann den Todesfall absichern oder sogar auch die finanziellen Risiken einer Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit abdecken. Dafür erhalten die Banken dann eine Provision von der Versicherung. Den Versicherungsbeitrag zahlt der Kunde dann zusätzlich zum Kreditbetrag (= Kaufpreis) in monatlichen Raten zurück.

„Das Gold des 21. Jahrhunderts“ – die Hauptmotivation

Die größte Motivation der Bank zur Kreditvergabe ist aber „Das Gold des 21. Jahrhunderts“: Daten! Für die Beantragung werden alle finanziellen Daten des Kunden benötigt: Einkommen, Miete oder Baufinanzierungsrate, Sparverträge, andere Verbindlichkeiten und teilweise auch die Antwort auf die Frage „Nutzen Sie Ihren Dispokredit?“. Diese Daten setzen dann eine Werbemaschine in Gang, die der Bank dann die pointierte Ansprache auf Umschuldungsprodukte oder Sparformen ermöglicht. Mit den Daten wird ein Kundenprofil erstellt, welches die Kaufwahrscheinlichkeit einzelner Bankprodukte aufzeigt. Gesetzlich ist die konkrete Zustimmung zur Nutzung der Daten für Werbemaßnahmen erforderlich. Da sich der Kunde in einer emotionalen Kaufsituation befindet, wird diese Zustimmung normalerweise erteilt.

Bereits wenige Tage nach Abschluss erreichen den Kunden oftmals Werbebriefe und Werbeanrufe, ob eine Umschuldung bestehender Kredite nicht ratsam ist oder ob zusätzlicher Bedarf für neue Kredite, Versicherungen oder Altersvorsorgesparverträge besteht. Flankiert durch Werbeanrufe kann dies zu weiteren Produktverkäufen führen.

Zwischen 0 % und 17 % - warum so große Unterschiede?

Die 0%-Finanzierungen nehmen eine besondere Position in der Welt der Ratenkredite ein. Wer bei seiner Bank nach einem Ratenkredit fragt, bekommt dort oft einen wesentlich höheren Zinssatz genannt. Viele Banken beginnen bei 5% und der Zinssatz kann bis zu 17% betragen.

Doch warum diese riesige Schwankungsbreite?

Dahinter steckt wieder einmal eine Statistik. Bei der Ermittlung werden unterschiedliche Faktoren eingerechnet: Unter anderem die Laufzeit, Kündigungsfristen seitens des Kunden oder Zusatzabsicherungen wie Risikolebensversicherungen und Arbeitslosigkeitsversicherungen. Damit kann die Bank planen, wie lange der Kredit voraussichtlich eine Zinszahlung einbringt und wie hoch das Risiko ist, wenn der Kunde stirbt oder arbeitslos wird.

Der wichtigere Faktor ist aber die risikoadäquate Bepreisung. Sprich: Wie hoch ist das Ausfallrisiko des Kredites. Zu dieser Ermittlung gibt es verschiedene Wege: Zum einen nutzen die Banken teilweise eigene Scoring-Systeme. In diesen „Blackboxen“ wird aus verschiedensten Kundendaten die Ausfallwahrscheinlichkeit errechnet. Diese basiert unter anderem auf der Kredithistorie des Antragstellers, auf der Anstellungsdauer bei seinem Arbeitgeber, dem Wohnstatus und vielem mehr. Zum anderen wird der Schufa-Score hinzugezogen. Der Großteil der deutschen Banken ist der Schufa angeschlossen und dort laufen alle Informationen zusammen, um ein objektives Gesamtbild zu erstellen.

Aus diesem Gesamtergebnis wird dann der Zinssatz ermittelt. Und an dieser Stelle kommt dann oft die Überraschung: Nachdem vor zwei Jahren der Fernseher und das Sofa mit 0% finanziert wurden, kostet der beantragte Autokredit plötzlich wesentlich mehr. Gleiches kann auch bei der Beantragung einer Baufinanzierung passieren.

Die Schufa – besser als ihr Ruf

Dies kommt daher: Diese 0%-Kredite werden der Schufa gemeldet und wirken sich auf den Schufa- Score aus. Dieser drückt in einem Prozent-Score und Bonitätsbuchstaben aus, wie hoch das Ausfallrisiko der Bank bei einer neuen Kreditvergabe ist. Und statistisch gesehen ist es auch so: Wer viele Kredite bei verschiedenen Banken unterhält, kann den Überblick verlieren und in die Schuldenfalle rutschen.

Um dies zu verhindern, gibt es die Schufa. Schufa steht für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. Der Schutz bezieht sich aber nicht auf den Schutz der Banken, sondern auf den Schutz der Antragsteller. Durch die Meldungen an dieses zentrale Register kann bei Kreditanfragen der bisherige Bestand eingesehen werden und eine weitere Kreditvergabe, zum Wohl des Antragstellers, abgelehnt werden.

Die Schufa ist oftmals in der Kritik. Die Vielzahl der gespeicherten Daten lässt sie wie ein undurchschaubares Datenmonster erscheinen und offenbar besitzt sie Macht, über Wohl und Leid der Antragsteller zu entscheiden. Zunächst wirkt das auch so. Besonders laut wird die Kritik, wenn ein Kredit aufgrund der Schufa-Auskunft abgelehnt wird – diese Ablehnung löst auf der einen Seite eine negative Emotion aus und auf der anderen Seite platzt damit auch der Wunsch nach einem neuen Auto oder dem großem Flachbildfernseher. Wichtig ist aber, dass die Bank die Entscheidung trifft und nicht die Schufa.

Außerdem stand die Schufa in der Kritik, den Vergleich von Zinssätzen für Kredite zu erschweren. Machen mehrere Banken Kreditanfragen bei der Schufa, wurde der Zinssatz von Anfrage zu Anfrage höher. Der dahinterstehende Algorithmus war der Annahme, die vorher angefragten Kredite wären abgelehnt worden. Diese Vorgehensweise wurde mittlerweile als unzulässig erklärt.

Ein weiterer Kritikpunkt war die mangelnde Transparenz: Der Kunde wusste nicht, was über ihn gespeichert ist und welcher Score-Wert ermittelt wurde. Dem wurde bereits vor vielen Jahren Abhilfe geschaffen: Jeder Verbraucher kann einmal pro Jahr kostenlos alle über ihn gespeicherten Daten abfragen. Es kann somit jeder Verbraucher prüfen, ob alle Daten korrekt sind und ob bereits erledigte Kredite gelöscht wurden.

Resümee

Ratenkredite sind nicht von Haus aus schlecht. Vielmehr sind diese ein probates Mittel, Wünsche zu erfüllen, für die gerade kein Geld da ist. Davon profitieren sowohl die Verkäufer des zu finanzierenden Guts also auch die Banken, die schließlich Geld verdienen müssen.

Um sich nicht unbewusst in die Schuldenfalle zu begeben, ist es aber ratsam auf folgende Dinge zu achten:

  • Kann ich mir die Rate wirklich leisten? Bleibt der Betrag für die Rate übrig, wenn ich meine Einnahmen und Ausgaben ehrlich gegenüberstelle?
  • Wenn dieser Betrag übrigbleibt, warum wurde dieser bislang nicht gespart?
  • Passen die Laufzeit, die Ratenhöhe und Rückzahlungsmöglichkeiten auch in meine zukünftige Lebens- und Einkommenssituation?
  • Um Überraschungen vorzubeugen, sollte man sich jährlich eine Schufa-Datenkopie anfordern. Diese heißt „Datenkopie nach Art. 15. DS-GVO“ und ist kostenlos.
  • Der Grundsatz sollte sein: Die Haltbarkeit des zu finanzierenden Guts sollte länger sein als der Kredit. Nachvollziehbar! Wer möchte weiterhin für einen Gegenstand einen Kredit bezahlen, den er gar nicht mehr nutzt.
  • Der Abschluss eines Todesfallschutzes ist grundsätzlich ratsam. Im Todesfall bleibt der Kredit bestehen und wird vererbt. Oftmals ist aber eine Risikolebensversicherung günstiger als die dem Kredit zugerechnete Restschuldversicherung

Es gibt viel zu beachten. Somit ist es ratsam, sich vor Abschluss mit dem Finanzierungsberater seines Vertrauens oder seiner Hausbank zu unterhalten,